Schotten dicht: Wandertag auf Islay („Dieser Weg wird kein leichter sein“)

Start in die Woche also. Das Auto blieb heut Stehen. Wir laufen ein Stück am Strand, haben sie gesagt. Nur eine kleine Wanderung haben sie gesagt. Wer mich etwas kennt, weiß dass Wanderlust nicht mein zweiter Vorname ist. Und das wird wohl nach heute auch so bleiben.

Aber erstmal einen Morning Dram- und zwar im Zuge der Besichtigung von Caol Ila. Offenbar die Distillery mit dem größten Produktionsvolumen auf Islay- 6 Mio Liter verlassen das zugegeben nicht wirklich schöne Brennereigelände im Jahr. Ca. Dreiviertel davon werden zum blenden benutzt, bspw. ist Johnny Walker ein großer Abnehmer (bleibt alles im Diagio Konzern). Man mahlt, brennt und füllt in den Tanklastzug, der dann zum „verfassen“ den Spirit off site fährt. Also alles in allem nicht super spannend, wenn man schon die eine oder andere Brennerei besichtigt hat. Die Größe ist interessant. Eine Ladung Wash liegt hier bei 60.000 Liter. Entsprechend groß sind die Mash Tun und die Washbacks (10 Stck., davon noch 8 aus Holz und 2 aus Edelstahl). Insgesamt 6 Brennblasen sorgen dann für den Spirit. Betrieben wird das ganze von 5 Operators und das Tourismus-Team umfasst ca. 9-10 Leute, die aber auch für die Schwesterbrennerei Lagavulin arbeiten.

Caol Ila Distillery Cat

Interessant war der Fun fact, dass der Hersteller der ganzen Brennereimühlen pleite ist, weil die Dinger bei guter Pflege quasi unkaputtbar sind. Damit gräbt man sich natürlich irgendwann das Wasser ab. Es gibt jetzt wohl noch einen Mann, der die Maschinen in- und auswendig kennt und von Brennerei zu Brennerei zu fährt und Reparaturen vornimmt. Man hofft nun also, dass derjenige noch lange gesund bleibt und einen Azubi findet. 







Verkosten durften wir einen von fünf Whisky nach Wahl. Drei davon aus der Core Range und zwei, die man entweder nur in der Distillery bzw. wohl eher schwer bekommt. Ich hatte den 10-jährigen, den ich sonst wohl nicht wieder bekomme. Und ja: Caol Ila ist mein Ding. Nach dem mir schon bekannten 12-jährigem Standard und einem 21-jährigen war der bei Fassstärke für sein Alter nicht alkoholisch und rund. Ich hab die anderen mit durchgenippt (zum Glück können wir als Reisegruppe uns aufteilen) und am Ausgang gab‘s noch einen „Moch“, auch lecker. Man torft hier übrigens auf 35ppm- genau wie Lagavulin. Aber man hat auch unpeated (der 15y auf dem Foto), weil es für die Blends einen Bedarf gibt.

Caol Ila Whiskies

Highlight war dann, als wir beim Abstempeln unserer Whisky Pässe erfahren haben, dass die Tour damit kostenlos ist und wir einen Refund bekommen haben. Endlich hat es sich mal gelohnt, etwas drei Jahreeinfach aufzuheben. Leider gibt‘s keine neuen mehr, so dass Herr P. ohne bleiben muss. Aber den Refund hat er trotzdem bekommen. #dramsforfree

Whisky Journal

Motiviert ging‘s von dort mit Ziel Bunnahabhian an der Küste auf einen kleinen Wandertag.
Ich erlaube mir, den gewählten Weg als offizielle Wanderroute ernsthaft infrage zu stellen. Am Anfang noch recht nett wurde es zunehmend steinküstiger bis es irgendwann nicht weiterging. Wie immer an einem Punkt, an dem es zum Umdrehen eigentlich zu spät ist. Also ging es nur in eine Richtung: Klippe rauf. Während Herr H. todesmutig die Vorhut gebildet hat um den Weg auf Machbarkeit zu prüfen hab ich mit Frau S. noch eine Abschiedszigarette geraucht, bevor ich dann auch aufwärts kraxeln durfte. Sich meiner Höhenangst bewusst, haben mich Frau S. und Herr P. noch motiviert und tatsächlich hab ich es geschafft. Falls ihr in eine solche Situation geratet beherzigt folgende Hinweise: „Halt dich flach am Berg.“ „Achte immer auf einen festen Tritt.“ „Mach in Ruhe.“ „Es ist schlimmer als es aussieht.“ „Wenn du einen Stein los trittst ruf Bescheid.“
Dafür stelle ich mal die These auf, dass das Foto von diesem Punkt noch nicht viele Leute gepostet haben. Alles für den Blog!
Still alive!

Tatsächlich muss man aber festhalten, dass es ein schönes Stück Natur ist, was wir sehen durften! Dafür hat sich‘s dann auch irgendwie gelohnt.

Seelöwe, Seehund oder Robbe





Das uns den ganzen Tag verfolgende Schwanenduo (die kommen heut vor Lachen sicher auch nicht in den Schlaf.. stupid germans!)

Wer mag Schafe? Dann jetzt aufpassen:





Vögel on the rocks:


Ein Lob auch an die Wandersocken von Frau S.!

Endlich wieder auf festen Pfaden war uns unser Ziel klar wie selten: nächster Ort, nächste Brennerei, eine Besichtigung mit Dram, eine Mahlzeit mit Bier und Public Transport zurück nach Port Askaig. 

Ab nach Bunnahabhain!

In Bunnahabhain angekommen stellt sich raus: nächste und letzte Tour des Tages ist ausverkauft. Es gibt hier nix zu essen. Empfohlen würde uns Port Askaig als nächster Ort. Öffentliche Verlehrsmittel kommen hier nicht vorbei- es gibt einen Taxiservice, aber der ist gerade unterwegs. Gewonnen auf der ganzen Linie..





Bunnahabhain Core Range Flights
Einmal hier gab es dann aber wenigstens eine Runde Flights aus der Core Range der Brennerei. Nunja- gesamtheitlich haben wir festgestellt, dass alle Drams nicht unseren Geschmäckern entsprechen (obwohl peated und unpeated und auch Sherry matured)- aber das ist ja auch eine Erkenntnis.
Durch den Hunger voll in Schwung nix wie nach Hause. Diese 4-5 Meilen machen wir dann auch noch (als hätten wir eine andere Wahl). Unterwegs haben wir noch kurz die Ardnahoe Brennerei mitgenommen-eröffnet im April 2019 (wobei first cask filled am im November 2018) und folglich noch ohne Whisky (der muss ja mindestens drei Jahre im Fass bleiben). Dann eben nur einen Kaffee. Hierist halt alles sehr modern, man hat ein großes Visitor‘s Center und es wird sich irgendwann mal zeigen, ob das Konzept einer modernen, neuen Distillery auf Islay aufgeht. We‘ll keep an eye on that.



Am Ende des Tages haben unsere Fitnesstracker und Apps aber den Tag sicherlich genossen- wir lassen den Abend im Cottage ausklingen und ich versuche einfach, nicht zum dritten Mal mit dem Kopf gegen den Rauchmelder in der Küche zu laufen.
Gute Nacht!

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